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Seit 60 Jahren Partnerschaft mit der Kirchengemeinde Heilig Geist in Kirchmöser

Sechzigjähriges Bestehen

Partnerschaft mit der kath. Pfarrei Kirchmöser


Als Pfarrei pflegen wir verschiedene intensive Kontakte. Dazu gehört seit nunmehr 60 Jahren der Kontakt zur kleinen katholischen Kirchengemeinde Heilig Geist in Kirchmöser, Brandenburg.
Das Erzbistum Paderborn wurde durch die Grenzziehung innerhalb Deutschlands nach dem Krieg in zwei Teile geteilt. Um den geistlichen und materiellen Austausch weiterhin aufrecht zu erhalten, vermittelte vor 60 Jahren die Leitung unseres Bistums jeder Pfarrei des nun unter erschwerten Bedingungen in der kommunistischen DDR liegenden Anteils der Diözese eine andere Pfarrei im westlichen Anteil, die sich in besonderer Weise für den lebendigen Kontakt verantwortlich wissen sollte. Die Kontaktformen und vor allem die praktischen Hilfen waren vielfältig und einfallsreich. Das meiste musste an der staatlichen Aufsicht der DDR vorbei organisiert werden.
Nach der Wende veränderte sich die Situation grundlegend. Auch unsere Partnergemeinde Heilig Geist in Kirchmöser konnte aus dem ehemaligen Spritzenhaus der Feuerwehr, das ihr als Kirche gedient hatte, umziehen in ein kleines neues Gemeindezentrum.
Durch verschiedene Besuche, persönliche Freundschaften und auf andere Weise halten wir bis heute diese Beziehung aufrecht. Durch den Bau eines Hauses für Familienerholungen und die Caritas in unmittelbarer Nähe der neuen Kirche, malerisch gelegen am Ufer der Hawelseen, entstanden auch längere Aufenthalte einzelner Gruppen und Familien am Ort.


Mitfeier und Besuch anlässlich der Weihe der neuen Kirche in Kirchmöser

Die kleine aber schmucke neue Kirche und das Gemeindehaus von außen


Verantwortliche Beteiligte an diesem Projekt aus den ersten Anfängen sind heute nicht mehr leicht zu finden.

Für das Jahr 1950 heißt es in unserer Gemeindechronik:

„Unserer Gemeinde wurde die Pfarrvikarie Kirchmöser bei Magdeburg als Betreuungsgemeinde zugewiesen. Die Gemeinde spendet für die Patengemeinde jeweils am 3. Monatssonntag.“

Frau Margarete Thiele war vier Jahrzehnte Gemeindereferentin in Kirchmöser. Vor zehn Jahren konnten wir sie noch zu ihren Erinnerungen befragen.


Auszüge aus einem Interview mit Frau Margarete Thiele:


? Wie und wann hat die Partnerschaft oder zu Anfang besser die „Patenschaft“ angefangen?

Den Anfang habe ich nicht mitbekommen. Ich bin 1957 nach Kirchmöser gekommen als Gemeindereferentin. Davor war die Verbindung nach Bielefeld aber schon da, und zwar über Schwester Herlinda. Damals war ein Geistlicher in Bielefeld, der Kuratus Hundeck († 1963), der stammte aus Schlesien. Schwester  Herlinda ist vom Klösterchen jeden Tag herüber gekommen nach Heilig Geist, hat sich um die Gemeinde gekümmert und hat auch die ganzen Pakete zu Weihnachten und Ostern nach Kirchmöser arrangiert. Später hat sich dann Frau Klöcker als Caritas-Mitarbeiterin ganz enorm dafür eingesetzt.


? Gab es auch persönliche Kontakte?

In der damaligen Zeit hat sich der Bielefelder Pfarrer Rüsche mal mit seinen Kollegen in Ost-Berlin getroffen und wir waren eingeladen, dorthin zu kommen. Pfarrer Sprenger, eine alte Dame aus der Gemeinde und ich haben ihn in Ost-Berlin getroffen, weil anders keine Möglichkeit war. Später hat Frau Klöcker trotz aller Schwierigkeiten mit der Grenze uns mal besucht, wir haben sie als meine Kusine ausgegeben, weil nur Verwandte zu Besuch kommen durften. Das war noch zur Zeit von Pfarrer Meyer, des Vorgängers von Pfarrer Sprenger. Das war eine sehr gute Sache und Frau Klöcker ist dann später noch einmal mit Pfarrer Stahl nach Kirchmöser gekommen.

? Und Gegenbesuche?

Für uns gab es damals zuerst keine Möglichkeit, über die Grenze zu kommen, bis es dann Rentnern ermöglicht wurde, zu fahren, und da war die Gemeinde so großzügig und hat dreimal einige Rentner, zwei oder drei, aufgenommen. Das Pfarrheim im Wellensiek wurde für sie hergerichtet und sie waren dann jeweils bei verschiedenen Familien, z. B bei Familie Wannenmacher oder bei Frau Beckmann u. a. willkommen. Das war eine sehr großzügige Geste und das hat uns damals sehr, sehr gut getan.


? Aber der Anfang waren die Pakete?

Das war ja eine enorme Arbeit für Ihre Gemeinde und wir waren sehr dankbar dafür. Jede Familie durfte ja eigentlich nur immer ein Paket im Monat bekommen, deshalb haben immer verschiedene Familien aus der Gemeinde die Pakete angenommen und dann zum Pfarramt gebracht. Zu Weihnachten waren wir immer sehr beglückt über all die Pakete, die da kamen und die wurden dann aufgeteilt und verteilt an Notleidende und die, die keine Verwandten im Westen hatten, an die Außenstationen, die ganz abgeschieden waren von uns. Kurz und gut, die kinderreichen Familien und die Kinder, die zu Nikolaus und Weihnachten beschenkt wurden, die freuten sich alle sehr und auch natürlich die, die fleißig über das ganze Jahr die Gemeinde durch ihre Mitarbeit unterstützt und mit getragen haben. Das ging dann all die Jahre so gut, bis dann im November 1989 die Mauer fiel und die Grenze auf war. Aber ich muss noch ergänzen, dass ich vorher schon in den achtziger Jahren, als ich ins Rentenalter kam, nach „drüben“ fahren konnte. Ich war z.B. einmal mit zwei älteren Damen da, wir durften dann auch im Pfarrheim und bei Frau Klöcker wohnen und sind da ganz wunderbar aufgenommen worden. Auch Frau Gundula Schacker hat sich unser sehr angenommen.


?Wie ging es nun weiter?

Im Frühjahr 1990 kam eine Abordnung mit Herrn Schacker an der Spitze zu uns nach Kirchmöser. Das war eine gute Begegnung. Im Herbst waren wir dann zum Gemeindefest eingeladen, so wurde der Kreis persönlicher Bekanntschaften immer größer. 1991 ist Frau Klöcker verstorben, an sie erinnern wir uns in Dankbarkeit. Danach haben uns die Damen von der Caritas durch Geldspenden weitergeholfen. Nötige Lebensmittel gab es dann schon bei uns zu kaufen.


? Haben Sie die Einweihung unserer neuen Kirche miterlebt?

Herr Pfarrer Rauterkus und der Pfarrgemeinderat haben uns eine Einladung geschickt, der einige Gemeindemitglieder mit Herrn Pfarrer Sprenger gefolgt sind. Die Feier war sehr beeindruckend. Herr Pfarrer Rauterkus hatte uns mit seiner Mutter zuvor auch schon einmal besucht.

Als wir damals 1991 in Bielefeld waren, habe ich einen kurzen Überblick unserer Gemeindechronik in Kirchmöser mit Bildern mitgebracht. Inzwischen ist seit 1995 Georg Bauditz als neuer Pfarrer dort. Ihm ist geglückt, was wir vorher jahrzehntelang vergeblich erträumt hatten: Eine neue Kirche zu bauen.


Wir danken Ihnen für das Gespräche für das Gespräch!

Der eiserne Vorhang hat doch die Menschen getrennt, aber ohne ihn wäre diese Partnerschaft, diese herzliche Verbindung unter Christen, doch nie zustande gekommen.




Bei der "Einweihung" unseres Gastgeschenkes: Liederbücher

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