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Kreuzwegreliefs von Bert Gerresheim

Einige Eindrücke


Seit Anfang der Fastenzeit 2007 sind wir als Gemeinde Beschenkte. In unserer Kirche wurden die vierzehn neuen hellen bronzenen Tafeln des Kreuzweges aufgehängt. Damit hat unser Kirchraum eine außerordentliche weitere Bereicherung erfahren.


Die Reliefs erzählen vom Leben Jesu

Die vierzehn Bilder aus den letzten Tagen Jesu sind über den ganzen Kirchraum verteilt.

Zu bildlichen Darstellungen haben Christen deshalb den Mut, weil Gott sich selbst entschieden hat, sichtbar zu werden. Als er Mensch wurde, konnte man diesen Menschen „Jesus“ anschauen, sich nach seinem Beispiel  ausrichten…Jesus sagte sogar: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Johannes 14,9). Wer sich häufiger in unserer Kirche aufhält, wird sich irgendwann dabei ertappen, dass ihm bei bestimmten Gelegenheiten Bilder aus unserem Kreuzweg durch den Kopf gehen.


Sie führen zum Wesentlichen

Jesus hat gesagt, dass nicht sein Jünger sein könne, wer sein Kreuz nicht selbst auf sich nimmt. (Matthäus 10, 38)

Der Kreuzweg ist jene christliche Gebetsform, die sich fragt: ‚was kann das denn heißen – wie Jesus sein Kreuz auf sich zu nehmen?’ Dazu wurden Begebenheiten aus den letzten Lebenstagen Jesu gesammelt. Was ist ihm alles passiert? Und wenn mir selbst dann Ähnliches passiert, kann ich es mit Blick auf Jesus nicht besser tragen, bei ihm Erlösung finden?



Die Reliefs in unserer Kirche geben eine Lesehilfe für heute
Die besondere Stärke der Kreuzwegdarstellungen in unserer Kirche besteht darin, dass sie uns helfen, die Brücke zwischen der Zeit Jesu und dem Heute zu schlagen. Es werden Beispiele von Schwierigkeiten, Konflikten und Leiden in unserer Zeit angedeutet, zugleich aber auch Menschen dargestellt, die diese „Kreuze“ unserer Zeit tatsächlich gläubig mitgetragen haben. Sie ersetzen die Gesichter von Personen am Kreuzweg Jesu mit ihren heutigen Gesichtern. Da findet sich eine Mutter Teresa aus Kalkutta, ein Pater Maximilan Kolbe aus dem Konzentrationslager in Au­schwitz, ein Pastor Friedrich von Bodelschwingh mit seiner Sorge für Kranke und Behinderte in Bielefeld…

Die Blicke auf sich ziehend sind die Hände, die Jesus dem Kreuzesbalken entgegenstreckt— ebenso aber jedem Betrachtenden in der Kirche. Ist es ein Innehalten angesichts des Bevorstehenden?



Jesus fällt zum ersten Mal, der Balken rutscht von der Schulter. Christus hat kein Leben mit uns geteilt, bei dem er alles im Griff hatte, während uns oftmals Wesentliches zu entgleiten scheint. Er hat auch unsere Sorgen getragen, selbst die alltäglichen.

Überraschend wird ein Passant zum Helfer Gottes. Gleiches erhofft Gottes von uns, sobald wir morgens den Fuß aus dem Bett setzen. Wer weiß, wozu Gott jeden von uns heute braucht. Vorbereitet sollten wir jedenfalls sein — wie hier Simon von Zyrene bzw. Franz Stock.

Jesus im Schmerz nicht allein. Ist es Zufall, dass die Bereitschaft zum Mitleiden und Mitweinen in der Bibel gerade von Frauen berichtet wird? Mutter Teresa, Rosa Stein, Pauline von Mallinckrodt.

Als Jesus entblößt wird, der neuen Demütigung preisgegeben, hätten einige der Umstehenden dies sicher gerne verhindert. Bis heute sind die Menschen kostbar, die dann zugreifen oder den Mund aufmachen, wenn andere missachtet werden, ihnen Unrecht geschieht. Friedrich von Bodelschwingh, ev. Pfarrer in Bielefeld, war sicherlich einer von solchen Zupackenden.



Im Moment des Sterbens noch den Blick auf Gott richten können („In deine Hände, Herr, empfehle ich meinen Geist“) — ob es uns selbst geschenkt wird, zu einem so unerschütterlichen Vertrauen zu gelangen?

Die „Kirche“ holt Jesus vom Kreuz: Mutter Teresa, Ordensschwester und Mutter der Toten auf den Straßen Kalkuttas, auf der anderen Seite der verstorbene Papst Johannes Paul II. Jedem Sterbenden ist zu wünschen, dass bei seinem Tod glaubende Menschen hilfreich und fürbittend bereit stehen.

Der Schöpfer unseres Kreuzweges


Bert Gerresheim - Künstler und Bekenner des Glaubens


Der Bildhauer Bert Gerresheim wurde 1935 in Düsseldorf geboren und studierte 1956 - 60 an der Kunstakademie Düsseldorf und von 1960 - 63 an der Universität Köln Kunstgeschichte, Germanistik und Archäologie.

Er war bis 1990 Kunst-, Deutsch- und Philosophielehrer als Studiendirektor am Düsseldorfer Lessing-Gymnasium. Die Schriften der abendländischen Mystiker vertieften seine eigene Religiosität.

Was ihn an der Bibel und der Kirchengeschichte fasziniere? "In einer Zeit, in der sich keiner bekennen will, sind Leute und Ereignisse wichtig, die auf eine nicht-sichtbare Welt verweisen, die in den Alltag hineinwirkt".  Seine Aufgabe sieht er darin, diese nicht-fassbare Realität in seinen Werken sichtbar zu machen.



Atelier in Düsseldorf

Schon früh erhielt er zahlreiche Stipendien (z. B. das Stipendium der Deutschen Industrie), Kunst- und Förderpreise von der Stadt Düsseldorf, dem Heimatverein "Düsseldorfer Jongens", dem Düsseldorfer Künstlerverein, der Stadt Berlin, dem UNESCO Komitee Zopot / Polen, Dank- und Ehrenmedaillen und Ehrenplaketten.

Besonders viele seiner Werke sind im kirchlichen rheinischen Raum zu sehen, andere in den übrigen Teilen Deutschlands und in der ganzen Welt verstreut.



Edith Stein, Köln

Unter den Museen, die seine Werke öffentlich ausstellten,  fehlt keine prominente Adresse:

Museum of Modern Art, New York, Nationalmuseum Bratislava, Kunsthalle Hamburg und Kiel, Oldenburg, Hagen, Wuppertal, Duisburg, Essen, Darmstadt, Nürnberg, Assisi, Rom und Moskau.

Der Düsseldorfer Bildhauer ist ein Verehrer des hl. Franziskus und Mitglied im Dritten Orden der Franziskaner. Auch bei der Arbeit an unserem Kreuzweg   versenkte er sich sehr in das Leiden Christi und wollte, dass es in seiner ganzen Größe den Menschen von heute gegenwärtig wird.

In seinem umfangreichen und reichhaltigen künstlerischen Schaffen zu christlichen religiösen Themen ist ihm immer wieder mit staunenswerter Kraft gelungen, den Betrachter durch aktuelle Bezüge in das Geschehen des Bildes hineinzuziehen.



Dreifaltigkeit, Apokalypse in Kevelaer

Das fast 50 Quadratmeter große bronzene Monumental-Relief über dem Portal der Kevelaerer Marien-Basilika mit der Wiederkunft Christi im jüngsten Gericht stellt gleichsam den Höhepunkt seines Schaffens als religiöser Bildhauer dar. In diese "Kevelaerer Apokalypse" hat der Künstler 260 große Portraits von Menschen aus der Geschichte und dem Christentum  eingearbeitet und damit wohl das größte sakrale Bronzewerk in den Kirchen Deutschlands geschaffen.



Vor der Aufhängung des Kreuzweges rechts Bert Gerresheim, in der Mitte sein Assistent Francisco

Seit der Weihe unserer Kirche hingen in ihr die von Bert Gerresheim gezeichneten Stationen des Kreuzweges. Umso mehr freut es uns, dass er auf langjähriges Bitten unserer Gemeinde hin diesen Kreuzweg - mit Ortsbezügen versehen - in hell patinierten bronzenen Relieftafeln neu ausgeführt hat.

Der Künstler hat viele aktuelle Bezüge auf Menschen unserer Tage in die vierzehn Stationen des Bielefelder Kreuzwegs eingearbeitet. Denn für Glaubende ist klar: Menschen am Rande des Kreuzweges Jesu gab es nicht nur damals vor 2000 Jahren, sondern auch heute: Solche, die IHN kreuzigen, und solche, die mit IHM leiden und um IHN weinen.

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