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Kreuztracht


Kreuztracht - in "Heilig Geist" und anderswo



Kreuztracht in unserer Gemeinde


In der Bielefelder katholischen Pfarrgemeinde "Heilig Geist" werden alljährlich während der Fastenzeit ab Aschermittwoch drei handgroße Altarkreuze der beiden Vorgängerkirchen ("Heilig Geist im Wellensiek" und "Heilige Familie" in Uerentrup) von einem Haus zum anderen "getragen" und in einer kleinen geistlichen Feier an die besuchte Familie übergeben. Das Kreuz verweilt dort jeweils drei bis vier Tage und hilft, die vorösterliche Bußzeit und den Leidensweg unseres Herrn  bewusster und intensiver wahrzunehmen, zu verinnerlichen und auch unser persönliches Kreuz williger anzunehmen. Am Karfreitag werden die drei Kreuze dann wieder in die Kirche zurück "getragen".


So ist es auch in diesem Jahr geschehen. Inzwischen haben wir die Auferstehung des HERRN, das Osterfest, gefeiert. Bis zur nächsten Kreuztracht ist es noch lang; deshalb sollen bis dahin die folgenden allgemeinen Gedanken zu diesem alten Brauch festgehalten werden.


Über einen Jahrhunderte alten Brauch

"Tracht" ist ein Ausdruck, der sich sprachlich unverkennbar von "tragen" ableitet. Heutzutage lässt uns dieses Wort gewöhnlich an eine - meist regional bestimmte - traditionelle Art sich zu kleiden denken, etwa Schwarzwäldertracht oder Trachtenmoden allgemein, womöglich gar an eine "Tracht Prügel".


Sprachlich und auch begrifflich weniger geläufig ist dagegen die Verbindung des Wortes Tracht mit Kreuz - "Kreuztracht" klingt, weil weithin in Vergessenheit geraten, eher wie ein Wort aus ferner Zeit. Dabei umschreibt dieses Wort ganz schlicht, dass bei einer Bußprozession, vor allem am Karfreitag, ein Kreuz mit "getragen" wird. So ist z. B. an den Karfreitagen in Rom eine Bußprozession durch eine Kreuztracht charakterisiert, die von der Jesuitenkirche zu weiteren sechs Kirchen verläuft - die "Siebenkirchenprozession".


Auch hier in Westfalen sind Karfreitagsprozessionen Brauch, bei denen ein großes Holzkreuz mitgeführt wird. Solche Prozessionen finden z. B. in Delbrück, Rheda-Wiedenbrück und Menden statt. Beim historischen Zurückverfolgen, wann und wo solches Brauchtum entstanden ist, stoßen wir auf die Zeit der Gegenreformation und des 30jährigen Krieges mit den ihm folgenden Jahrzehnten. So haben Jesuiten im Westfalen des frühen 17. Jahrhunderts die Kreuztracht eingeführt: 1616 in Münster, 1674 in Delbrück und auch in Paderborn.


In Paderborn wurde die Kreuztracht übrigens wie in Rom als "Siebenkirchen-prozession" gestaltet. Sie bildete den wesentlichen Teil einer Bußprozession und fand gewöhnlich ebenfalls an den Karfreitagen statt. Ein schweres Holzkreuz wurde im Prozessionszug entlang des Leidenswegs unseres Herrn von einem Mann getragen, der, unkenntlich durch eine Maske, meist anonym blieb und häufig auf diese Weise selbst Buße tat. Nicht selten wurden auch andere Personen aus der Leidensgeschichte dargestellt, wie z. B. Simon von Zyrene, oft ebenfalls anonym und gleichfalls gelegentlich selbst büßend. Erst in späteren Jahren trugen zuweilen regional bekannte, hochgestellte Persönlichkeiten (etwa Bürgermeister) das Kreuz, gelegentlich sogar professionelle Darsteller.



kreuztracht@hgbi.de

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